Man kennt das von den Leinwandgöttinnen aus der goldenen Ära Hollywoods: Im einen Augenblick ganz der lockende Vamp mit rauem Timbre und Schlafzimmerblick, im nächsten kommt dann schon die kalte Dusche, verpackt in ein mädchenhaft-unschuldiges Lachen. Der vermeintlich starke Held erliegt diesem Spiel ganz planmäßig, genauso wie jeder einzelne Zuschauer im Publikum. „Wenn der Ventilator die heiße Luft in Scheiben schneidet und man nur in Intervallen leidet”, singt Iris Siegfried mit lasziver Stimme und beschwört eine fiebrige Nacht – nur um die Assoziation augenzwinkernd zu zerstören: „Dann liegt man verschwitzt unter einem südamerikanischen Moskitonetz.”
Sie kennen sich aus mit musikalischer Verführung, die vier Circen von Salut Salon, sie haben daraus eine Kunstform gemacht. Der Titel des Programms ist insofern treffend gewählt, der Begriff „klassisch” führt allerdings nur zum Teil auf die richtige Fährte: „Klassisch Verführt” ist ein virtuoser Parforce-Ritt durch Stilistiken von Mozart, Piazzolla oder Kreisler über Passagen mit Chanson und Filmmusik bis hin zu Zitaten aus Volkslied und Heavy Metal. Vorgetragen mit vollem Körpereinsatz und unter manchmal artfremder Nutzung der Instrumente, garniert mit kabarettistischen Einlagen und spontanen Dialogen mit dem Publikum. Um das mit nur einem Wort beschreiben zu können, müssten wohl neue Begriffe erfunden werden. „Unkonventionell” allein jedenfalls wäre bei Weitem zu harmlos: Salut Salon spielen was sie wollen und wie es ihnen gefällt. Musikalisch perfekt, im Cocktailkleid und auf Pfennigabsätzen.
Das Programm changiert zwischen verschiedenen Momenten: technisch brillanten, wie in Brahms’ Ungarischem Tanz; poetischen, wenn etwa im selbstverfassten „C’est une chanson” jede der vier singend das Thema übernimmt, in variierenden Sprachen bis hin zum von Knacklauten gespickten Zulu. Gar artistisch wird es schließlich mit dem Walzer „An der schönen blauen Donau” – vierhändig, achtbeinig und bäuchlings auf dem Klavier liegend gespielt. Hingebungsvoll werden Arrangements zerpflückt und neu zusammengefügt, immer mit hörbarer Hochachtung vor dem Komponisten, aber niemals mit falscher Scheu: „Wenn wir an einem Piazzolla rumbasteln, dann stört das kaum einen. Anders sieht das aus bei hiesigen Heiligen wie Mozart oder Schumann, da ist längst jede einzelne Note ins Kollektivgedächtnis übergegangen”, sagt Iris Siegfried. Mit funkelnden Augen ergänzt Angelika Bachmann: „Das sind in Stein gemeißelte Gesetze – und sie interessieren uns nicht.” Das anschließende schallende Gelächter duldet keinen Widerspruch. Und was im Normalfall Kritik der Klassik-Päpste garantieren würde, erntet verblüffte Statements. „Das ist das Intelligenteste, was ich je auf einer Bühne gesehen habe”, adelt etwa Franz Wittenbrink die irrwitzige Performance über das Thema des Bruder-Jakob-Kanons, mit dem Salut Salon den lustvollen, musikalisch perfekten Stilbruch zum Prinzip erheben: Musikalische Motive des Volksliedes mischen sich mit „Aire” von Bach oder Mozarts „Zauberflöte”, aus dem altertümlichen Weckruf der Glocken wird ein höchst moderner, auf dem Cello gestrichener Weckalarm mit Snooze-Funktion, doch es ist „zu spät” – mit den Worten der Ärzte und unter lautstarker Beteiligung des Publikums.
Eine Sonderrolle hat Oscar, der Hahn im Korb des Damenquartetts, der einzige Mann auf der Bühne – eine Handpuppe. „Unser Quotenmann muss einiges ertragen:Er gibt den Don Juan, flirtet, bringt ein theatralisches Moment herein – und dafür darf er dann auch hin und wieder ein wenig an den Instrumenten klimpern.” Oscar tut, wie ihm geheißen, die Damen haben ihn schließlich fest in ihrem freundlichen Griff. Wie auch den Rest des Saales.
„Es vermittelt einfach
Freude und Vergnügen, die
vier jungen Frauen von “Salut Salon”
zu erleben – sie bieten dem Publikum
poppige Variationen und beeindrucken
mit einer akrobatischen
Publikumsshow.
(Hamburger Abendblatt)
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