2007

Gibt es die Seligkeit auf Erden? Oder kann das Paradies nur in einer besseren Welt auf uns warten? Von Idyllen und dem Grauen hinter der verlockenden Fassade, von Erinnerungen und Visionen erzählen die Autoren, Fotografen, Musiker, Theaterleute, Maler, die die Stiftung „kunst:raum sylt quelle“ zum Thema Sommerfrische versammelt hat. Welch eine Vielfalt der Bilder: Die Heimatsommer ihrer Kindheit im dörfliche Dalmatien beschreibt die Schriftstellerin Marica Bodrozic. Die Luft flirrt in den impressionistischen Klängen des niederländischen Doelen-Streichquartetts. Eine ausweglose Reise ans Meer spielt Gilla Cremer in ihrem sehr anrührenden Stück. Inselschreiber Jan Peter Bremer erzählt von Ängsten, die ein Strandtag auslösen kann. Insel-Fundstücke vereinen Esther Ernst und Jörg Laue in einer Performance-Ausstellung: Sylt als Sehnsuchtsort.

Dass auf Sylt nicht nur die Erfüllung, sondern auch das Wüten der Welt nahe kommen kann, haben Insulaner und Urlauber zuletzt während der Stürme des vergangenen Herbstes und Winters erfahren. Sind die Wetterkapriolen bereits ein Teil des Klimawandels? Beim Wissenschaftssommer stellen weltweit renommierte Vertreter verschiedener Diszipli-Vier unter einem Dach nen ihre Arbeit vor: Wettermodelle und Sturmfluten, filmische Untergangsszenarien, Energiepolitik und Flüchtlingsströme werden in den Referaten zur Sprache kommen: Eine Fülle von Aspekten, wie sie selten an einem Ort versammelt wird. Dazu gibt es auch eine künstlerische Umsetzung, die Ausstellung „Unruhiges Wetter“. Und der Wissenschaftssommer hat ein Kind bekommen: An neun Nachmittagen beschäftigen Wissenschaftler den Forscherdrang des Nachwuchses mit spannenden Themen wie dem Schicksal der Gummibärchen oder dem Wetter im Weltraum.

Zu Gast an der Sylt-Quelle ist in diesem Jahr erstmals das Meerkabarett, das auch am neuen Standort die Stars der Kleinkunst-, Comedy- und Musikszene versammelt: Alfred Biolek plaudert aus dem Fernseh-Nähkästchen, Max Raabe singt, und das gleich dreimal, Hans Liberg moduliert am Flügel in Sekundenschnelle von Chopin zur „Flipper“-Melodie, Jörg Knör wechselt in ähnlichem Tempo die Identitäten, Roger Willemsen sinniert übers schöner Scheitern, und Ina Müller, die auf Sylt wie immer Heimspiel hat, singt und plaudert sich durch Hamburger Spaziergänge, langweilige Partys und abgelebte Tätowierungen. Alle Tonakrobaten und Wortjongleure werden sich zwischen Wasserkästen sicher so wohl fühlen wie unter Zeltplanen – und ihr Publikum auch.

Ein Abend des selbstvergessenen Hörens, Sehens, Denkens übrigens ist schon ein Stück vom ersehnten Glück. Willkommen in der Sommerfrische.